Beruflicher Neustart mit 50+
Wie Karin ihre Chance bei Senior Quality fand
Manchmal eröffnet gerade eine unerwartete Veränderung neue Wege. Für Karin begann ein solcher Wendepunkt mit 50 Jahren. Die Diagnose einer chronischen Erkrankung brachte sie dazu, innezuhalten und ihre berufliche Zukunft neu zu betrachten. Nach vielen Jahren als Sozialarbeiterin stellte sie sich die Frage, wohin ihr Weg führen sollte – und entschied sich schließlich für einen mutigen Neustart.
Schon zuvor hatte Karin Erfahrungen in der Öffentlichkeitsarbeit gesammelt und sich für digitale Kommunikation interessiert. Social Media faszinierte sie zunehmend. Also absolvierte sie eine Ausbildung zur diplomierten Social Media Managerin. Ihre Vorstellung war zunächst klar: Neues lernen, einige Bewerbungen schreiben und bald wieder beruflich Fuß fassen. Doch der Weg zurück in den Arbeitsmarkt erwies sich als schwieriger als gedacht.
Zwischen Neuanfang und Selbstzweifeln
Zusätzlich zu ihrer beruflichen Neuorientierung stand ein Umzug nach Graz bevor. Vor allem aber merkte Karin rasch, dass ihr Alter bei der Jobsuche eine Rolle spielte. „Ich habe mich selbst gefragt, ob ich für den Social-Media-Bereich vielleicht schon ein Stück weit zu alt bin“, erinnert sie sich.
Die Bewerbungsphase war von Hoffnungen, aber auch von Enttäuschungen geprägt. Besonders Absagen von Stellen, die sie inhaltlich wirklich interessierten, gingen ihr nahe. „Da waren schon ein oder zwei dabei, bei denen ich wirklich schlucken musste, weil mich die Aufgabe sehr gereizt hätte“, erzählt sie. Jede Absage durfte sie enttäuschen – gleichzeitig wollte Karin verhindern, dass sich die Zurückweisungen auf ihr Selbstvertrauen auswirkten.
Denn wenn Absagen sich häufen, beginnt man leicht, an sich selbst zu zweifeln. Karin nahm diese Gefahr wahr, wollte sich davon aber nicht bestimmen lassen. Auch Zukunftsängste gehörten zu dieser Phase: Wie würde es beruflich weitergehen? Wann würde sie eine Arbeit finden, die wirklich zu ihr passte? Und was wäre, wenn sie nach kurzer Zeit wieder arbeitssuchend wäre?
„Natürlich hatte ich immer wieder Zweifel“, sagt Karin. „Aber mir war wichtig, nicht in diesen Ängsten stecken zu bleiben.“ Stattdessen richtete sie den Blick auf jene Dinge, die sie selbst beeinflussen konnte: recherchieren, Kontakte aufnehmen, lernen, praktische Erfahrungen sammeln und offen für neue Möglichkeiten bleiben.
Eine feste Struktur half ihr dabei. Karin plante fixe Zeiten für die Recherche nach Stellen und für Bewerbungen ein. Gleichzeitig reservierte sie sich bewusst Zeit, um rauszugehen, den Kopf freizubekommen und an eigenen Projekten zu arbeiten. So fühlte sie sich nicht dem bloßen Warten auf eine Antwort ausgeliefert. Sie konnte selbst aktiv bleiben, Neues ausprobieren und dazulernen.
„Für mich war das Gefühl entscheidend, die Situation ein Stück weit selbst in der Hand zu haben“, sagt sie. Einen einzelnen Moment, in dem sie dachte „Ich schaffe das“, gab es nicht. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickelte sich Schritt für Schritt – durch Aktivität, Lernbereitschaft und die Erfahrung, selbst etwas bewegen zu können.
Ein Projekt, das sofort überzeugte
Bei ihrer Recherche stieß Karin im Internet auf Senior Quality. Sie suchte ganz bewusst nach Organisationen und Projekten, deren Inhalte sie interessierten. Der erste Eindruck blieb ihr sofort im Gedächtnis: „Was für ein cooles Projekt ist das denn?“
Senior Quality setzt sich gegen Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt ein und macht die Kompetenzen und Erfahrungen von Menschen 45+ sichtbar. Das sprach Karin auf mehreren Ebenen an. Als Sozialarbeiterin fand sie den gesellschaftlichen Ansatz spannend. Gleichzeitig war sie zu diesem Zeitpunkt selbst eine Frau über 50 auf Jobsuche und hatte gerade erfahren, wie dominant das Alter im Bewerbungsprozess werden kann.
Deshalb schrieb sie Senior Quality initiativ an und fragte nach der Möglichkeit eines Kurzzeitpraktikums. Aus dieser Anfrage entwickelte sich schließlich ein siebenmonatiges Ausbildungspraktikum im Rahmen einer Digitalstiftung von move-ment. Parallel dazu konnte Karin bei edvgraz zusätzlich theoretisches Wissen für ihre neue Tätigkeit erwerben.
Dass sie mit 53 Jahren wieder Praktikantin wurde, war für sie kein Problem. Im Gegenteil: Karin wollte ganz bewusst Neues lernen und gleichzeitig ihre langjährige Berufserfahrung einbringen. „Wir sollten uns von dem alten Denken verabschieden: ‚Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.‘ Wir entwickeln uns schließlich ein Leben lang weiter – beruflich wie persönlich.“
Gerade die Verbindung von neuen digitalen Fähigkeiten und ihrer bisherigen Erfahrung erwies sich als wertvoll. Karin brachte nicht nur Lernbereitschaft und Interesse an Social Media mit, sondern auch soziale Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit und einen geschärften Blick für die Lebensrealitäten anderer Menschen.
Vom Praktikum zur Anstellung
Das Praktikum bei Senior Quality wurde für Karin zu einer wichtigen beruflichen und persönlichen Erfahrung. Sie lernte die Organisation nicht nur als Arbeitsplatz kennen, sondern konnte sich aktiv in deren Arbeit einbringen. Gleichzeitig erkannte sie, wie gut ihre eigenen Erfahrungen zu den Zielen von Senior Quality passten.
Heute arbeitet Karin bei Senior Quality im Bereich Kommunikation mit Schwerpunkt Social Media. Sie plant und entwickelt Content, bereitet Themen redaktionell auf, erstellt Beiträge, Reels und Videos und begleitet unterschiedliche Kommunikationsmaßnahmen und Kampagnen.
Für Karin ist damit eingetreten, was sie sich sehr gewünscht hatte: Sie wurde übernommen. Die Anstellung ist derzeit befristet, doch es gibt einen positiven Ausblick auf das kommende Jahr. Dass dieser Schritt möglich wurde, war angesichts der wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen nicht selbstverständlich. Das gesamte Team und Karin suchten gemeinsam nach einer Möglichkeit, wie sie bei Senior Quality bleiben konnte.
Ihre heutige Tätigkeit verbindet das Beste aus zwei Welten: ihre langjährige soziale Expertise und ihre neu erworbenen Kenntnisse im Bereich digitaler Kommunikation. Gleichzeitig arbeitet sie nun für jene Menschen, mit deren Situation sie sich selbst identifizieren kann – ältere Arbeitssuchende, deren Fähigkeiten und Erfahrungen am Arbeitsmarkt oft unterschätzt werden.
Karin ist überzeugt, dass Menschen mit längerer Berufserfahrung viel einzubringen haben: Gelassenheit, Lebenserfahrung und erprobte Problemlösungskompetenz. „Man hat bestimmte Prozesse schon öfter durchlaufen und im Idealfall aus Fehlern gelernt. Das verändert den Blick.“
Aktiv bleiben und offen für Möglichkeiten sein
Ihre eigene Geschichte möchte Karin auch anderen Arbeitssuchenden mitgeben. Aktiv zu bleiben bedeutet für sie nicht nur, möglichst viele Bewerbungen zu schreiben. Es geht auch darum, sich zu fragen: Welche Organisation interessiert mich? Wo würde ich gerne arbeiten? Wo kann ich etwas ausprobieren? Gibt es ein Projekt, ein Praktikum, eine Weiterbildung oder ein freiwilliges Engagement, bei dem ich die eigenen Kompetenzen einbringen und gleichzeitig etwas dazulernen kann?
Genau diese Haltung hat Karin geholfen, ihre Arbeitssuche selbst zu gestalten und schließlich eine Möglichkeit zu finden, mit der sie anfangs nicht gerechnet hatte. Aus einer initiativen Anfrage wurde ein Stiftungspraktikum – und daraus eine Anstellung bei Senior Quality.
Ihre Botschaft an alle, die vor einem beruflichen Neustart stehen, ist klar: „Für einen beruflichen Neustart ist es nie zu spät. Dafür ist das Leben einfach zu kurz.“
Und Karin selbst? Sie bleibt ihrer Haltung treu: „Ich bin und bleibe eine unverbesserliche Optimistin.“
Bianca von Senior Quality sieht die Einstellung von Karin als Glücksfall
„Karin ist für uns ein echter Glücksfall und bestätigt genau, warum unsere Arbeit wichtig ist. Ältere Menschen werden am Arbeitsmarkt noch immer unterschätzt und erhalten oft nicht dieselben Chancen wie jüngere Bewerberinnen und Bewerber. Karin zeigt eindrucksvoll, wie viel Kompetenz, Lernbereitschaft und Engagement Menschen 45+ mitbringen. Ihre Geschichte steht beispielhaft dafür, was möglich wird, wenn Erfahrung und neue Chancen zusammenfinden.“
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