Roland Metz
Im Rahmen eines vom AMS Voitsberg mitfinanzierten Qualifizierungsverbundes erhielt Herr Metz die Möglichkeit, ein individuelles Karriereguiding in Anspruch zu nehmen. Wie er die Jobsuche erlebt hat und wie er im neuen Unternehmen seinen Platz gefunden hat, erzählt er im folgenden Interview.
Frage: Wie sind Sie auf Ihre jetzige Stelle aufmerksam geworden, und wie lange hat die Suche gedauert?
Antwort: Ich habe die Stelle über eine Jobausschreibung beim AMS gefunden. Die Arbeitssuche hat ungefähr ein Jahr gedauert. In dieser Zeit habe ich mich auch bei anderen Unternehmen beworben und war offen für unterschiedliche Tätigkeiten.
Frage: Wie haben Sie den Bewerbungsprozess bei der Firma Reinex erlebt?
Antwort: In meiner Branche war ich durch meine Arbeit und mein Netzwerk bekannt. Deshalb wurde ich recht zügig zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich habe offen angesprochen, dass ich bei anderen Bewerbungen das Gefühl hatte, mein Alter spiele eine Rolle. Die Führungskräfte bei Reinex konnten das nicht nachvollziehen, weil sie ausdrücklich nach Erfahrung suchten. Für mich war das Gespräch dadurch sehr unkompliziert – eine „g’mahde Wiesn“.
Frage: Gab es während der Arbeitssuche auch eine konkrete Erfahrung, bei der Sie eine Altersbenachteiligung wahrgenommen haben?
Antwort: Ja. Bei einer Firma wusste ich, dass im Außendienst eine Stelle frei werden sollte. Man kannte mich und bat mich, meine Unterlagen zu schicken. Danach hörte ich zunächst nichts mehr. Als ich mehrmals nachfragte, wurde zuerst ausgewichen, bis schließlich klar gesagt wurde, dass es um mein Alter gehe. Die Stelle wurde dann mit einer deutlich jüngeren Person besetzt. Frustriert war ich deshalb aber nicht dauerhaft. Man sollte aufpassen, nicht müde zu werden und in ein Schema zu fallen, in dem einen nichts mehr freut.
Frage: Was hat Ihnen in der Zeit der Arbeitssuche geholfen?
Antwort: Mein Netzwerk und meine Kontakte waren wichtig. Unterstützung habe ich außerdem durch das Karriereguiding und das AMS Voitsberg erhalten. Besonders hilfreich war für mich das Gefühl, bei der Arbeitssuche nicht allein zu sein und bei Fragen Anlaufstellen zu haben. Ich finde es gut, dass dabei individuell auf die einzelne Person und ihre Situation eingegangen wird. Das hat mir Orientierung gegeben und mich auf meinem Weg unterstützt.
Frage: Seit wann arbeiten Sie bei Reinex, und wie haben Sie Ihre Rolle gefunden?
Antwort: Ich bin seit dem 15. Juni dort. Unterstützung dabei, meine Rolle zu finden, war nicht notwendig.
Frage: Was schätzen Sie an Reinex als Arbeitgeber?
Antwort: Das Vertrauen, die gute Einarbeitung und dass es kaum Vorschriften gibt. Im Außendienst ist Vertrauen unumgänglich. Ich fahre außerdem regelmäßig in die Zentrale, obwohl sie für mich nicht gerade ums Eck liegt. Das ist mir wichtig für den Zusammenhalt und das gute Miteinander.
Frage: Was war beim Einstieg für Sie zunächst neu oder herausfordernd?
Antwort: Das interne Computersystem ist komplex. Kunden, Objekte, Aufträge und Angebote müssen miteinander verknüpft werden. Nicht die Arbeit am Computer an sich ist schwierig, sondern das neue System und die Art, wie es funktioniert. Das hat nichts mit dem Alter zu tun. Weil ich mit meinem Arbeitstempo noch nicht zufrieden bin, habe ich eine intensive zweitägige Schulung in unserer Niederlassung in Innsbruck für mich organisiert.
Frage: Wie wurde diese Eigeninitiative aufgenommen?
Antwort: Meine Chefin war erstaunt und meinte, so etwas habe sie noch nicht erlebt. Für mich war das ein schöner Moment. Ich kann mich selbst entfalten.
Frage: Welche Erfahrung bringen Sie in Ihre neue Aufgabe ein?
Antwort: Meine große Erfahrung hat mir sehr geholfen. Ich weiß, wie man gute Gespräche mit Kundinnen und Kunden führt. Man wird ruhiger und besonnener, aber auch ausdauernder. Wenn ich jemanden heute nicht überzeugen kann, melde ich mich vielleicht in einem Jahr wieder – vielleicht passt unser Portfolio dann. Die Gesprächsebene ist heute eine andere, nicht mehr so hektisch.
Frage: Welche Fähigkeiten entwickeln sich Ihrer Ansicht nach besonders durch Berufserfahrung?
Antwort: Menschenkenntnis, Erfahrung und Geduld. Früher hat mich eine Absage eines Kunden gleich „demoliert“. Heute kann ich besser damit umgehen und länger dranbleiben.
Frage: Sie bezeichnen sich als Senior Expert. Was bedeutet das für Sie?
Antwort: Ja, das tue ich. Man sollte sich seiner Expertise bewusst sein, aber nicht mehr „die Welt zerreißen wollen“. Für mich gehören erfahrungsbedingte Ruhe, längerfristige Geduld, Dranbleiben und Ausdauer dazu.
Frage: Was braucht es, damit Menschen unterschiedlicher Generationen gut zusammenarbeiten?
Antwort: Die Gewissheit, dass jeder von jedem lernen kann. Man muss aufeinander zugehen und offen sein.
Frage: Ist man für einen Jobwechsel oder einen Neuanfang irgendwann zu alt?
Antwort: Als Mensch und als Person nicht unbedingt. Ich glaube aber, dass es für Unternehmen schwierig werden kann, wenn jemand nur noch zwei oder drei Jahre bis zur Pension hat. Ich persönlich hatte nie ein Problem damit, Neues zu lernen. Gleichzeitig gibt es aber auch finanzielle Verpflichtungen und damit auch entsprechende Gehaltsvorstellungen.
Frage: Was ist Ihnen im Arbeitsalltag besonders wichtig?
Antwort: Ein respektvoller und wertschätzender Umgang. Das ist das Wichtigste. Ich würde auf einige hundert Euro verzichten, wenn ich dafür nicht nur eine Nummer bin und mich wohl und wertgeschätzt fühle.
Weitere Beiträge
Roland Metz
Nach rund einem Jahr Arbeitssuche gelingt Roland Metz der berufliche Wiedereinstieg. Im Interview erzählt er, welche Rolle Erfahrung, Ausdauer und Unterstützung auf seinem Weg gespielt haben und warum Wertschätzung für ihn im Arbeitsleben besonders wichtig ist.
Erfahrung die Zukunft schafft
Mit 52 wagt Marco den beruflichen Neustart und wechselt von der Gastronomie in die Versicherungsbranche. Seine Geschichte zeigt: Für neue berufliche Wege ist es nie zu spät.
Karriere kennt kein Ablaufdatum
Mit 50+ neu durchstarten? Ulrike Janach zeigt, dass es möglich ist. Nach dem Karriereguiding von Senior Quality führte ihr Weg bis zur Leitung des Kunsthauses Köflach. Heute ist sie Steirerin des Jahres und Botschafterin von Senior Quality.
Beruflicher Neustart mit 50+
Kann man mit 50+ noch einmal beruflich neu anfangen? Karin beweist, dass es möglich ist. Nach einer Weiterbildung und einigen Herausforderungen bei der Jobsuche fand sie über ein Praktikum ihren neuen Weg bei Senior Quality. Ihre Geschichte macht Mut, neue Chancen zu ergreifen.