WIR45+ | Aktion 55+ & Förderungen verstehen

Chancen für arbeitssuchende Menschen 45+ im aktuellen Arbeitsmarkt

Welche Perspektiven haben arbeitssuchende Menschen ab 45 heute am österreichischen Arbeitsmarkt?
Dieser Frage widmete sich der digitale WIR45+ Stammtisch am 6. Mai 2026. Gemeinsam mit Claudia Nosa (AMS Wien) und Martina Schröck (Senior Quality) wurden aktuelle Entwicklungen, Förderinstrumente und konkrete Strategien für erfahrene Arbeitnehmer:innen beleuchtet.

Arbeitsmarkt im Wandel – Erfahrung wird wieder sichtbar

Zum Auftakt gab Martina Schröck einen Überblick über die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt. Besonders bei Frauen und Personen ab 50 ist die Arbeitslosigkeit zuletzt gestiegen. Gleichzeitig zeigt sich: Ältere Arbeitnehmer:innen sind häufiger von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, da der Wiedereinstieg nach Jobverlust oft schwieriger ist.

Genau hier setzt das AMS mit der Aktion 55+ an – einer österreichweiten Schwerpunktsetzung zur gezielten Unterstützung älterer arbeitssuchender Menschen.

Claudia Nosa betonte, dass sich der Umgang mit älteren Arbeitnehmer:innen zunehmend verändert:

Unternehmen beginnen umzudenken – Erfahrung, Stabilität und Verlässlichkeit werden wieder stärker als Mehrwert erkannt.

Genau hier setzen Senior‑Quality‑Partnerschaften an: Gemeinsam mit engagierten Unternehmen schaffen wir nachhaltige Zugänge für erfahrene Fachkräfte und fördern generationengerechte Arbeitswelten.

Zu unseren Unternehmens-Partnerschaften

Der kulturelle Wandel ist im Gange, auch wenn der Arbeitsmarkt noch nicht überall gleich schnell reagiert.

Arbeitslosigkeit ist kein persönliches Versagen

Ein zentrales Thema des Stammtisches war der emotionale Umgang mit Arbeitslosigkeit. Ältere Arbeitssuchende sind häufig mit Vorurteilen, Schamgefühlen oder Selbstzweifeln konfrontiert – was dazu führen kann, dass Arbeitslosigkeit verschwiegen wird.

Die klare Botschaft beider Expertinnen:

  • Arbeitslosigkeit kann jede:n treffen

  • Sie ist kein persönliches Scheitern

  • Offenheit und ein selbstbewusster Umgang mit der eigenen Situation stärken die Position im Bewerbungsprozess

Menschen 45+ bringen wertvolle Kompetenzen mit – und erste Unternehmen erkennen dieses Potenzial bereits sehr deutlich.

Förderinstrumente im Überblick

Aktion 55+ – Eingliederungsbeihilfe

Die Aktion 55+ verpflichtet alle Bundesländer dazu, Eingliederungsbeihilfen für Personen ab 55 anzubieten.

Die Eingliederungsbeihilfe ist ein Zuschuss zu Lohn- und Lohnnebenkosten, wenn Unternehmen ältere arbeitslose Personen einstellen.
Höhe und Dauer variieren regional und müssen vor der Einstellung mit dem AMS abgeklärt werden.

Wichtig zu wissen:

  • Die Förderung gilt nur für arbeitslos gemeldete Personen (nicht für Pensionist:innen)

  • Zuständig ist immer das AMS am Unternehmensstandort, nicht am Wohnort

  • Viele geförderte Dienstverhältnisse bestehen auch nach Ende der Förderung weiter

Die Eingliederungsbeihilfe wirkt damit häufig als nachhaltiger Türöffner in eine langfristige Beschäftigung.

Joboffensive 50+ (Wien)

In Wien gibt es zusätzlich die Joboffensive 50+ in Kooperation mit dem WAFF.
Für länger arbeitslose Personen ab 50 können dabei bis zu 100 % der Lohnkosten für einen definierten Zeitraum übernommen werden.
Auch hier ist die erste Anlaufstelle die zuständige AMS‑Beratung.

Arbeitserprobung & Arbeitstraining – Chancen auf Augenhöhe

Ein besonders praxisnahes Instrument ist die Arbeitserprobung. Sie ermöglicht arbeitssuchenden Personen, für kurze Zeit im Unternehmen mitzuarbeiten – ohne sofort angestellt zu sein.

Rahmenbedingungen:

  • Aufrechte Arbeitslosmeldung beim AMS

  • Keine Altersgrenze

  • Dauer meist wenige Tage bis max. zwei Wochen

  • Vollständige Absicherung über das AMS

Vorteile für beide Seiten:

  • Unternehmen erleben Kompetenzen im Arbeitsalltag

  • Bewerber:innen können ihre Stärken praktisch zeigen

  • Erwartungen werden realistisch abgeglichen

Gerade für erfahrene Fachkräfte hilft die Arbeitserprobung, Vorurteile abzubauen und Vertrauen zu schaffen.

Gut zu wissen:
Eine Eingliederungsbeihilfe kann auch im Anschluss an eine Arbeitserprobung gewährt werden – sofern die formalen Voraussetzungen erfüllt sind.

Förderungen im Bewerbungsprozess richtig einsetzen

Viele Menschen zweifeln nach längerer Jobsuche an sich selbst. Beim WIR45+ Stammtisch wurde klar betont:

Personen mit Erfahrung sind keine Bittsteller:innen, sondern Gesprächspartner:innen auf Augenhöhe.

Empfohlen wurde:

  • Vorab mit der/dem AMS‑Berater:in über mögliche Förderhöhen sprechen

  • Förderungen gezielt und selbstbewusst im Gespräch einsetzen, wenn der Kostenfaktor relevant ist

  • Bei kleineren Unternehmen kann eine Förderung entscheidend sein, bei größeren eher ergänzend

Ob eine Förderung bereits im Bewerbungsschreiben erwähnt wird, hängt stark vom Unternehmen und der Situation ab.

Lebenslauf, Lücken & Weiterbildung

Längere Auszeiten – etwa durch Krankheit oder Long Covid – sollten offen, aber sachlich angesprochen werden. Wichtig ist dabei:

  • dass die Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt ist

  • und der Fokus klar auf dem beruflichen Wiedereinstieg liegt

Wie Lücken im Lebenslauf professionell formuliert werden, welche Weiterbildungen sinnvoll sind und wie Bewerbungsunterlagen heute überzeugen, ist häufig individuell.
Genau hier setzen die Senior Quality Einzelcoachings an – mit praxisnaher Unterstützung rund um aussagekräftige Bewerbungsunterlagen, Lebenslauf‑Optimierung und strategische Positionierung.

Mehr zum Einzelcoaching „Aktuelle & aussagekräftige Bewerbungsunterlagen, die überzeugen“

Weiterbildungen helfen, Lücken positiv darzustellen. Martina Schröck verwies hier auf die Senior Quality E‑Learning‑Zone:

  • Kompetenztests zur Standortbestimmung

  • Kostenfreie Webinare

  • Reflexion und gezielte Weiterentwicklung

Diese Angebote unterstützen arbeitssuchende Menschen dabei, ihr Profil zu schärfen und Selbstvertrauen aufzubauen.

Weiterbildung über das AMS

Für geförderte Qualifizierungen (z. B. Buchhaltung, Fachkurse beim WIFI) ist ein Gespräch mit der/dem zuständigen AMS‑Berater:in notwendig. Entscheidend sind:

  • Arbeitsmarktpolitische Relevanz

  • Individuelle Jobchancen

Zusätzlich bieten die Berufsinformationszentren (BIZ) des AMS Orientierung und Überblick über passende Weiterbildungsmöglichkeiten.

 

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